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Fischarten im Bodensee

Die Fischarten im Bodensee

Aktuell gibt es rund 30 Fischarten im Bodensee. Davon leben einige als typische Fließwasserarten nur zeitweise in den Mündungsbereichen der Zuflüsse zum See. Die einst ausschließlich im Bodensee vorkommenden Bodensee-Kilche Coregonus gutturosus, eine Felchenart, und die Tiefenform des Bodensee-Saibling Salvelinus profundus konnten in den letzten Jahren nicht mehr nachgewiesen werden und gelten als ausgestorben. 1880 wurden erstmals Regenbogenforellen im Bodensee ausgesetzt, um die Fischerträge zu erhöhen. Dazu kommen einige hier nicht heimische Arten: So tauchen immer wieder vereinzelte Sonnenbarsche, Katzenwelse und Goldfische auf, die vermutlich von Aquarianern ausgesetzt werden.

Salmonidae – Forellenartige Fische im Bodensee

Drei Felchenarten sind im Bodensee heimisch:
1) Der Blaufelchen (Coregnus lavaretus wartmanni) – eine Art, die überwiegend von Zooplankton lebt,
2) der Gangfisch (Coregonus oxyrhynchus macorphthalmus) der sich von Zooplankton, aufsteiegnde Insektenlarven und gelegentlich auch von Jungfischen ernährt,
3) und der Sandfelchen (Coregonus nasus artedi), der sich vor allem von kleineren Bodentieren, aber auch größerem Zooplankton ernährt.
Diese drei Arten sind wegen ihrer großen Variabilität auch für Fachleute nur schwer zu unterscheiden. Felchen halten sich vorwiegend in der Freiwasserzone auf, wo sie sich vor allem von Plankton ernähren. In den Flachwasserzonen in Ufernähe suchen sie gelegentlich den Untergrund nach Insektenlarven ab. Einschlägige Untersuchungen an Blaufelchen haben gezeigt, dass sie sehr selektiv – je nach Jahreszeit, Tageszeit und Felchengröße – bestimmte Kleinkrebsarten fressen. Die Bodenseefelchen laichen im Dezember, Gangfische vor allem in Ufernähe, Gangfische an der Halde und Blaufelchen in der Freiwasserzone über größeren Wassertiefen.

Der Seesaibling (Salvelinus alpinus) kommt ausschließlich im Bodensee – Obersee vor. Er hält sich vor allem in kühleren Gewässerzonen im tieferen Freiwasser und in Bodennähe. Jungfische ernähren sich zunächst von Kleinkrebsen und Insektenlarven, ältere Saiblinge machen vor allem Jagd auf andere Fische. Die Seesaiblinge laichen im November in Laichgruben in kiesigem Terrain größerer Wassertiefen. Durch Besatzmaßnahmen und Verbesserung der Wasserqualität haben die Bestände in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Seesaiblinge erfreuen sich sowohl bei den Berufsfischer als auch bei Sportangler großer Beliebtheit.

Die Seeforelle (Salmo trutta lacustris) kommt ebenfalls nur im Bodensee-Obersee vor. Seeforellen können im See ein Gewicht von 20 kg erreichen. Als Raubfische ernähren sie sich von kleineren Weißfischarten, jungen Felchen und Flussbarschen. Zum Laichen steigen sie in die Zuflüsse auf. Wehre und Staustufen hindern sie daran, stromauf zu geeigneten Laichgründen zu wandern. Das war eine der Hauptursachen für einen drastischen Rückgang der Bestände in 50-ziger Jahren. Inzwischen haben sich die Bestände wieder erholt, da viele Aufstiegshindernisse beseitigt wurden, sich die Wasserqualität im See verbessert hat sowie durch gezielte Besatzmaßnahmen. Seeforellen werden von Berufsfischern und Sportanglern gleichermaßen geschätzt.

Die Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss) wird als Nahrungskonkurrent der Seeforelle schon seit langem nicht mehr im See ausgesetzt. Da die Regenbogenforelle aber immer wieder Sportanglern an den Haken gehen, müssen sich ihre Bestände weiterhin erhalten haben. Man nimmt an, dass sie sich aus den Populationen im Alpenrhein und seinem Einzugsgebiet immer wieder regenerieren.

Cyprinidae - Karpfenfartige Fische im Bodensee

Der Karpfen (Cyprinus cyprinus) bevorzugt als Warmwasserfisch vor allem sie die sich erwärmenden Flachwasserzonen im Uferbereich, wo er nach Bodentieren wühlt. 2003 war ein besonders warmes Jahr am Bodensee, die Karpfen entsprechend laichfreudig, sodass sich in den Folgejahren ein großer Bestand an Karpfen im See entwickelt hat.

Rotaugen (Rutilus rutilus) halten sich ebenfalls in den Uferzonen rund um den Bodensee auf, wo sie neben Zooplankton nach Bodentieren als Nahrungsquelle suchen. Rotaugen haben nur geringe Ansprüche an Wasserqualität und Sauerstoffgehalt. Sie haben daher am meisten von der Eutrophierung, der Zunahme an Nährstoffen durch den Abwassereintrag aus Kommunen und Landwirtschaft im Bodensee in den 50-ziger und 60-ziger Jahren profitiert und sich entspreceh nd vermehrt. Mit der Verbesserung der Wasserqualität sind ihre Bestände wieder stark rückläufig.

Die Rotfeder (Scardinius erythrophthalmus) ist im Bodensee eine der selteneren Weißfischarten, jedoch im Hinterland in zahlreichen Seen und Teichen häufiger. Rotfedern halten sich vor allem in größeren Wasserpflanzenbeständen der Flachwasserzone auf, wo sie genügend Nahrung und als Haftlaicher mit den Pflanzen geeignete Laichsubstrate finden.

Der Bestand an Brachsen (Abramis brama) ist wegen der geringeren Nährstoffmengen im See rückläufig. Als Allesfresser mit Appetit auf Zooplankton, Schnecken, Würmer und am Gewässergrund lebende Insektenlarven können Brachsen sich im Bodensee als einier der Charakterarten der Uferzonen halten und auch recht groß werden. Im Gegensatz zum nächsten Verwandten, der Blikke (Abramis bjoerka), die vor allem im Bodensee-Obersee recht selten geworden ist.

Barbe (Barbus barbus) und Nase (Chondrostoma nasus) sind ausgesprochene Flussfische und kommen daher im Obersee nur im Bereich der Flussmündungen vor. Im Seeabfluss dagegen, im schnell strömenden, flachen Hochrhein unterhalb von Stein am Rhein finden Barben optimale Lebensbedingungen.

Der Döbel (Leuciscus cephalus), am Bodensee vorzugsweise Alet genannt, besiedelt sowohl Stillwasserzonen als auch Fließwasserabschnitte. Er hält sich vorwiegend in den Flachwasserbereichen auf, wo er über Kiessubstrat im Frühjahr laicht. Der Döbel ist jedoch nicht sehr häufig. Das hat immerhin dazu geführt, dass in den 90-ziger Jahren durch ein vom Angelsportv erein Konstanz in Auftrag gegebenes Gutachten die Vernichtung eines Döbellaichplatzes im Seerhein durch eine geplante Schiffsanlegestelle verhindert werden konnte.

Döbel aus dem Bodensee
Ein Döbel im ufernahen Bereich rund um die Insel Mainau im Bodensee – Überlinger See (Photo: storebukkebruse, Creative Commons License 2.0 US-ameriokanisch,
Quelle: Quelle: http://www.flickr.com/photos/tusnelda/6103673353/)

Die Ukelei (Alburnus alburnus) bildet im Uferbereich vor allem im Überlinger und Untersee große Schwärme, die im unmittelbaren Uferbereich auf Nahrungssuche, vor allem Zooplankton, gehen und hier auch Frühjahr laichen. Häufig ist die Ukelei mit der Hasel (Leuciscus leuciscus) vergesellschaftet, die aber nicht im See, sondern auch in den größeren Fließegwässern rund um den Bodensee vorkommt.

Die Schleie (Tinca tinca) liebt stehende, pflanzenreiche Gewässer mit schlammig – trübem Grund, wo sie nach Würmer und Schnecken wühlen kann. In den Seen und Teichen ist die Schleie als Beifisch von Karpfenbeständen daher häufiger als im Bodensee selbst.

Karauschen (Carassius carassius) bevorzugen pflanzenreiche Uferzonen, Gründlinge (Gobio gobio) dagegen Stein- und Kiessubstrate im Uferbereich. Diese beiden kleinwüchsigen Arten sind im Bodensee aber nicht häufig und ohne Bedeutung für Berufs- und Sportfischerei. Eine weitere klein bleibende Art, die Elritze (Phoxinus phoxinus) hat einen höheren Anspruch an Wasserqualität und Sauerstoffkonzentration. Mit der Reduzierung der Abwasserfrachten und des Nähstoffeintrages haben ihre Bestände im Bereich der Bach- und Flussmündungen rund um den Bodensee wieder zugenommen.

Cobitidae – Schmerlen im Bodensee

Schmerlen sind rund um den Bodensee im Uferbereich recht häufig, halten sich aber zwischen den Steinen der Brandungszone versteckt auf der Suche nach Bodentieren.

Siluridae – Welse

Welse (Siluris grandis) sind die bei weitem größten Fische im Bodenseefischen, führen aber ein recht verstecktes Leben am Gewässergrund in größeren Tiefen. Hin und wieder werden von Sportanglern kapitale Exemplare von 2m und mehr Länge erbeutet. Nachts geht der Wels auch in den Flachwasserzone auf Beutezug. Als Räuber ernährt sich vor allem von Weißfischarten. Welse können ein stattliches Alter erreichen. Früher selten, wird er in den letzten Jahren häufiger gefangen. Das mag aber weniger an einer Zunahme seiner Bestände als anders der wachsenden Zahl von Sportangler liegen.

Der Zwerg – oder Katzenwels (Ameirus nebulosus) TAUCHT IMMER WIEDER EINMAL ALS Beifang im Bodensee auf und löst dann Panik unter Berufsfischern und Sportanglern aus. Das mag etwas übertrieben sein, offensichtlich gibt es (noch) keine größere Population im Bodensee, die sich durch Vermehrung im See selbst in ihrem Bestand erhalten könnte. Aber immerhin können Katzenwelse bis zu 45 cm groß werden. Sie sind nachaktive, arge Fisch- und Laichräuber, die alles verschlingen, was nur irgendwie in ihr recht breites Maul passt. Sie werden offensichtlich immer wieder von verantwortungslosen Aquarianern oder Gartenteichbesitzern, denen die Welse zu groß geworden sind, im See ausgesetzt. Das ist Faunenverfälschung und strafbar!

Anguillidae - Aale im Bodensee

Der Aal (Anguillus anguillus)
Früher war der europäische Aal im Bodensee recht häufig und man konnte sicher sein, in einer schwül-warmen Gewitternacht im Sommer und Herbst auch stattliche Exemplare von 1m und mehr Länge zu erbeuten. Die Bestände sind in den letzten Jahre stark rückläufig. Im Vergleich zu den 70-ziger Jahren werden nur noch 3 bis 4% der damaligen Bestände gefangen. Fischereibiologen warnen, der Aal könnte im Bodensee bald ausgestorben sein. Es werden nur noch wenige ausgewachsene Exemplare gefangen, Jungaale fehlen. Bei seiner Wanderung den Rhein stromauf, stoßen die Aale auf viele Hindernisse, eine Regenration der Bestände im Bodensee auf natürlichem Wege ist daher kaum noch möglich. Außerdem wird vermutet, dass die Schadstoffbelastung in den Flüssen die Fruchtbarkeit der Aal mindert. Eigentlich werden die Glasaale vor dem Aufstieg in die Flüsse gefangen, um dann als Besatzfische in den Zielgewässern ausgesetzt zu werden. Doch Glasaale gelten in vielen Ländern inzwischen als Delikatesse, was einen weltweiten Handeln mit höheren Gewinnen verspricht. Alle haben einen sehr komplizierten Lebenslauf, daher ist es in Europa bisher noch nicht gelungen, sie in Aquakulturen nachzuzüchten. In Japan sollen aber erste Erfolge erzielt worden sein.

Esocidae - Hechte im Bodensee

Der Hecht (Esox lucius) hält sich als gefräßiger Raubfisch, der im Versteck auf Beute lauert, auch im Bodensee vorwiegend im Uferbereich auf. Bei Sportanglern gilt der Hecht als beliebter Zielfisch, der auch auf dem offenen See mit der Schleppangel gefangen werden kann. Kapitale Fänge mit einem Gewicht bis zu 20 kg sind keine Seltenheit. Man versucht in den letzten Jahren die Bestände möglichst gering zu halten, da er als Reservoir für einige Fischparasiten, vor allem den Hechtbandwurm, gilt und damit andere Fischarten im ihrem Fortbestand im Bodensee gefährdet. Deswegen wurden Schonzeiten und Schonmaße aufgehoben und sämtliche Besatzmaßnahmen eingestellt.

Percidae - Barsche im Bodensee

Der Flussbarsch (badisch Kretzer, schwyzerdütsch Egli genannt, Perca fluviatilis) war in den 70ziger bis 80ziger Jahren neben den Felchen der brotfisch der Berufsfischer am See. Wegen dem hohen Nährstoffeintrag im See, hatte sich das Plankton stark vermehrt. Und der der Flussbarsch vom Räuber auf Kleinfische und Insektenlarven auf das reichlich vorhandene Zooplankton als Hauptnahrung umgestellt. Inzwischen ist der Bodensee wieder sauber, der Närhstoffeintrag gesunken und die Produktion an Zooplankton zurückgegangen. Deshalb haben die Bestände und damit auch die Fangerträge des Kretzers im gesamten Bodensee abgenommen.

Der Kaulbarsch (Acerina cernua) tauchte zum ersten Male Ende der 80-ziger Jahre im Bodensee auf und breitete sich rasch aus. Zeitweise war er die häufigste Fischart in der Uferzone. Inzwischen sind die Kaulbarsch – Bestände ähnlich wie beim Flussbarsch aber wieder rückläufig.

Der Zander (Lucioperca lucioperca) ist in seinem natürlichen Verbreitungsgebiet eigentlich auf die Donau und ihr Einzugsgebiet beschränkt. Ende des 19.Jahrhunderts wurde er jedoch erfolgreich im Bodensee eingebürgert. Die Zander suchen im Frühjahr die Flachwasserbereiche auf, wo die Eier unter Baumwurzeln, Wasserpflanzenbeständen u.ä. Abgelegt werden. Als einziger mitteleuropäische Barschart bewacht das das Zandermännchen die sogenannten Zandernester, bis die Brut geschlüpft ist. In den letzten Jahren ist das Interesse am Zander sowohl bei Berufsfischern als auch bei den Sportanglern stark gestiegen.

Cottidae - Groppen im Bodensee

Die Mühlkoppe (Cottus gobio) war bei Bestandsaufnahmen im Überlinger See in den 1940-ziger Jahren die häufigste Art der Geröllbrandungszone, wo sie sich zusammen mit jungen Trüschen (!) unter Steinen versteckt hielt. Während er der 1950-ziger und 60-ziger Jahre während der übermäßigen Eutrophierung im Bodensee war sie fast vollkommen verschwunden. Dank der gestiegenen Wasserqualität ist sie jetzt wieder in die steinig- keisigen Flachwasserbereiche im Bodensee zurückgekehrt.

Gasterosteidae - Stichlinge im Bodensee

Der Dreistachlige Stichling (Gasterosteus aculeatus) kam ursprünglich im Bodensee nicht vor, ist aber anscheinend von Aquarianern ausgesetzt worden. Der Stichling hat sich in den Flachwasserbereichen vor allem im Untersee und in den Flussmündungen, z.B. in der Zeller Aach bei Radolfzell-Moos stark vermehrt.

Gadididae - Schellfische im Bodensee

Die Trüsche (Lota lota) bewohnt vor allem die tieferliegenden Bodenzonen im Bodensee-Obersee und im Überlinger See, wo sie vor allem von Insektenlarven, Würmern und Jungfischen lebt. Sie laicht in größeren Schwärmen zwischen Januar und März. Fischereilich genutzt wird sie vor allem im Obersee, da sie in der Bodensee - Gastronomie als Speisefisch sehr geschätzt wird.

Bestände und Fangstatistiken des Bodensees

Eine vollständige Bestandsaufnahme der Fischbestände in den einzelnen Seeteilen des Bodensees ist schwierig, da man hier nicht wie im Fließgewässer Elektroabfischungen durchführen kann. Eine gewisse Orientierung liefern die jährlichen Fangstatistiken. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass bestimmte Fischarten als wertvolle Nutzfische, d.h. Solche die einen hohen Marktwert erzielen, von Berufsfischer gezielt abgefischt werden, während sich Sportangler beim Angeln auf bestimmte Zielfische weniger an derem wirtschaftlichen Nutzen, als an ihrem Schwierigkeitsgrad orientieren. Dies spiegelt sich auch in den unterschiedlichen Fangstatistiken wieder. In den folgenden Tabellen sind jährlichen Anlandungen in kg Fisch für Berufsfischerei und Angelfischerei für Obersee und Untersee getrennt aufgeführt. Dabei ist hier mit Obersee der Obersee im engeren Sinn und der Überlinger See gemeint.

Offensichtlich sind Felchen, Barsche und Hechte im Ober- und Untersee bei Berufsfischern und Sportanglern gleichermaßen beliebt. Die Vertreter der Salmoniden spielen naturgemäß nur im Obersee eine Rolle. Unterschiede zwischen Berufsfischerei und Angelsport zeigen sich vor allem bei den Weißfischarten. Eine Zunahme der Fangerträge im Laufe der dargestellten 10 Jahre ist vor allem beim Seesaibling festzustellen, während es bei den Felchen zwei gegenläufige Trends gibt: Die Fangerträge der Felchen sind bei den Berufsfischern deutlich zurückgegangen, während Felchen als Zielfische bei den Sportangler sich offensichtlich steigender Beliebtheit erfreuen.





Tabellen 1 – 4 (s.oben): Die Fangstatistiken der Berufsfischer und Sportangler in Bodensee- Obersee und Untersee über einen Zeitraum von 10 Jahren wurden zusammengestellt von © Siegfried Blank 2010, Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg